Zuhören lernen – So kannst Du aktives Zuhören lernen

16.02.2022

Hören bedeutet nicht sofort zuhören. Passives Verhalten oder ständiges dazwischenreden bei einem Gespräch ist keine gute Voraussetzung. Um ein funktionierendes Gespräch mit jemandem zu führen, muss der Zuhörer aktiv zuhören. Ziel einer Unterhaltung ist, dass eine Vertrauensbasis geschaffen wird, dass der Zuhörer sich bewusst in die Situation des Sprechers hineinversetzt und dass im Laufe des Gesprächs ins Detail gegangen werden kann und nicht bloß an der Oberfläche gekratzt wird. Wenn Du Deinem Gegenüber aktiv zuhörst und Deine eigene Rede pausierst, wirst Du schnell merken, dass Du Deine Mitmenschen mit steigender Empathie besser verstehen kannst.

Was ist aktives Zuhören?

Aktives Zuhören ist eine Kommunikationsfähigkeit und grundlegende Voraussetzung für einen erfolgreichen und verständnisvollen Dialog. Demnach unterscheiden sich „Hören“, „Hinhören“ und echtes „Zuhören“ wesentlich voneinander. Beim „Zuhören“ wird das Ziel verfolgt, sein Gegenüber zu verstehen und eine vertrauensvolle und emotionale Basis aufzubauen. Das setzt gleichzeitig voraus, dass Du als Zuhörer eine unvoreingenommene Haltung während des Gesprächs einnehmen solltest und dabei emotional und sachlich auf die Aussagen des Sprechers reagieren kannst. Beim aktiven Zuhören schenkst Du Deinem Gesprächspartner Deine volle Aufmerksamkeit und pausierst Deinen inneren Monolog, sodass Du von keinen anderen Gedanken abgelenkt wirst. Du nimmst als Zuhörer eine aktive, keine passive Rolle ein.

Nach dem amerikanischen Psychologen Carl Ransom Rogers bilden drei Aspekte die Grundlangen für aktives Zuhören:

  • Deine Grundhaltung sollte empathisch und offen sein
  • Du solltest während des Gesprächs authentisch und kongruent agieren
  • Du solltest Deinem Gegenüber Akzeptanz und positive Beachtung entgegenbringen

Außerdem beinhaltet aktives Zuhören auch das Wahrnehmen der Mimik und Gestik des Sprechers. Damit wird das Gesagte untermauert und Du kannst die Gefühle und Bedürfnisse Deines Gesprächspartners besser deuten und verstehen.

Aktives Zuhören – Techniken

Eines der Ziele beim aktiven Zuhören ist es, dass Du Dich in die Perspektive Deines Gesprächspartners hineinversetzt. Das bedeutet aber nicht, dass sich Sprecher und Zuhörer grundsätzlich einig sein müssen. Es geht darum, dass Du Deinem Gegenüber mit Verständnis entgegenkommst, was Du ihm während dem aktiven Zuhören mithilfe verschiedener Signale vermitteln kannst. Es gibt mehrere Arten und Techniken, wie Du dies signalisieren kannst, ohne dabei ins Wort des anderen zu fallen. Darüber lernst Du außerdem ausführlich in unserem Online-Kurs über aktives Zuhören.

Hierbei wird unter verbalen und nonverbalen Kommunikationsmitteln unterschieden.

Verbale Signale für aktiveres Zuhören – 4 wichtige Techniken

1.    Rückfragen stellen:
Starte nicht sofort mit Deinem eigenen Redebeitrag, sobald Dein Gesprächspartner zu Ende gesprochen hat. Stelle inhaltliche Fragen, die sich nicht auf etwas beziehen, was bereits gesagt wurde. Passende Fragen können beispielsweise Verständnisfragen sein. So etwas wie „Habe ich richtig verstanden, dass du…“ kann das Gespräch vertiefen und Du erfährst über mehrere Details.

2.    Feedback äußern:
Du kannst bei kurzen Sprechpausen Deines Gegenübers kurzes Feedback äußern, zum Beispiel indem Du sagst „Ja, da stimme ich dir zu!“. Dadurch gibst Du zu erkennen, dass Du weiterhin aufmerksam und interessiert am Thema bist. Achte allerdings darauf, dass Du dem Sprecher nicht ins Wort fällst.

3.    Gesagtes zusammenfassen:
Beim Zusammenfassen sollst Du nicht einfach nochmal alles Wiederholen, was gesagt wurde. Es geht vielmehr darum, sicher zu gehen, dass Du das Gesagte Deines Gesprächspartners auch wirklich verstanden hast. So werden Missverständnisse einfach vermieden und es kann auf Augenhöhe kommuniziert werden.

4.    Äußere Emotionen und zeige Empathie:
Gerade wenn es um ein Gespräch unter Freunden geht, spürt man meistens, was beim Gesagten auf emotionaler Ebene mitschwingt. Um das Gespräch auch in emotionaler Richtung zu vertiefen, kannst Du Sätze wie „Ich habe das Gefühl, als ob…“ äußern.

Nonverbale Signale für aktiveres Zuhören – 3 Techniken

1.    Körpersprache einsetzen:
Du signalisierst Deinem Gesprächspartner, dass Du aktiv am Gespräch beteiligt bist, wenn Du eine zugewandte und offene Körperhaltung einnimmst. Eine in die entgegengesetzte Körperhaltung zeigt dagegen Desinteresse und der Sprecher bekommt nicht das Gefühl, dass Du ihm aktiv zuhörst.

2.    Halte Blickkontakt:
Schaue Deinem Gegenüber während des Gesprächs interessiert und offen in die Augen. Damit zeigst Du volle Aufmerksamkeit und echtes Interesse am Gesagten. Dein Blick sollte im Laufe des Gesprächs allerdings nicht erstarren – versuche, möglichst freundlich zu schauen. Zuhörer, die während des Dialogs ihren Blick durch den Raum schweifen lassen, erwecken beim Sprecher den Eindruck, als suchen sie sich eine andere Beschäftigung.

3.    Mimische Zuwendung:
Achte außerdem darauf, dass nicht nur dein Blick lebhaft wirkt, sondern auch Dein gesamter Gesichtsausdruck. Ein Nicken oder Lächeln lässt den Sprecher erkennen, dass Du aktiv und weiterhin gerne zuhörst. 

Grundlegend wichtig beim Umsetzen der Techniken ist, dass Dein Interesse am Gespräch echt und nicht vorgespielt ist. Du sollst dabei authentisch wirken. Denn das Vortäuschen der Signale wird in der Regel schnell wahrgenommen und ermöglicht keine funktionierende Konversation.

Die Techniken kannst Du sowohl im Privaten als auch im Job anwenden. Sie werden Dir dabei helfen, aktives Zuhören zu lernen.

Besser zuhören und perfekter Gesprächspartner werden

Ein guter Gesprächspartner ist jemand, der nicht nur ununterbrochen reden kann, sondern vor allem aktiv zuhören kann. Beim aktiven Zuhören vermittelst Du dem Sprecher das Gefühl, wertgeschätzt zu sein, wodurch eine vertrauensvolle Grundlage erzeugt wird. Als aktiver Zuhörer möchtest Du nicht nur erfahren, was Dein Gegenüber auf sachlicher Ebene übermitteln will, das Ziel vom aktiven Zuhören ist vielmehr, dass Du auch die Beweggründe des Sprechers erfährst. Schließlich wird neben der sachlichen Ebene auch auf einer emotionalen Ebene kommuniziert. Denn erst, wenn Du auch die Hintergedanken und Intensionen Deines Gesprächspartners durch aktives Zuhören verstehst, kann konstruktiv zusammengearbeitet werden.

Ein Dialog bedeutet demnach in gewisser Weise auch Zusammenarbeit und funktioniert nur, wenn Du deinem Gegenüber Dein Interesse aufdeckst. Dazu zählt auch, dass Du Dich erkundigst, wenn Du etwas nicht verstanden hast – ob inhaltlich oder akustisch. Dagegen unterbricht ein guter Zuhörer seinen Gesprächspartner nicht und vervollständigt auch nicht seine Sätze. Lasse Deinen Gesprächspartner also aussprechen und halte Deinen Körper möglichst still, denn auch hektische Bewegungen signalisieren Desinteresse und vermitteln dem Sprecher, dass Du nicht zuhörst. Belehre außerdem nicht Dein Gegenüber, dies trägt nicht zu einer konstruktiven Kommunikation bei – äußere nur dann Ratschläge, wenn Du ausdrücklich danach gefragt wurdest, das wirkt meistens etwas aufdringlich oder besserwisserisch und ist keinTeil vom aktiven Zuhören.

Ziele beim aktiven Zuhören

Aktives Zuhören zeugt ein hohes Maß an Vertrauen und stärkt die Bindung zwischen Dir und Deinem Gesprächspartner. Wer aktiv zuhören kann, signalisiert Wertschätzung und der Sprecher bekommt das Gefühl, ernst genommen zu werden – ihm wird es leichter fallen, sich zu öffnen.

Neben dem Aufbau von Vertrauen werden mit dem aktiven Zuhören weitere Ziele verfolgt:

  • Missverständnisse und Konflikte vermeiden: Wenn Du Deinem Gesprächspartner aktiv und aufmerksam zuhörst, wirst Du ihn auch besser verstehen können und Aussagen genauer interpretieren können. Missverständnisse zeugen in der Regel nur Konfliktpunkte und erschweren das Fortsetzen des Gesprächs. Außerdem verursacht dies das Gefühl, nicht richtig zugehört zu haben.
  • Tiefes Verständnis: Oberflächliche Gespräche entstehen häufig dadurch, dass der Zuhörer nicht aktiv zuhört. Agierst Du jedoch als aktiver Zuhörer, kannst Du bei einem Gespräch tieferes Verständnis entwickeln und besser auf das reagieren, was Dein Gegenüber äußert. Das Gespräch wird weniger oberflächlich und geht mehr ins Detail.
  • Empathie entwickeln: Du kannst selbst Deine eigene Empathie trainieren und verbessern, wenn Du zum aktiven Zuhörer wirst. Aktives Zuhören heißt schließlich auch, sich in die Perspektive des Sprechers hineinzuversetzen, um ihn besser nachvollziehen zu können.
  • Erfolgreiche Verhandlungen: Wenn Du durch das aktive Zuhören besser und zielgerichteter auf Deinen Gesprächspartner reagieren kannst, wirkt sich dies positiv auf die Ergebnisse des Gesprächs aus. Gerade auch im Job kannst Du durch aktives Zuhören profitieren.

Du kannst also nicht nur zu Deinem Ziel kommen, indem Du selbst das Wort ergreifst und andere mit Deinem rhetorischen Können überzeugst. Aktives Zuhören kann Dich genauso gut ans Ziel bringen und Du lernst dabei nachhaltig über Deine Mitmenschen. Solltest Du noch Verbesserungspotenzial zum perfekten Gesprächspartner haben, kannst Du aktives Zuhören trainieren. Unser Online-Kurs wird Dir helfen, Dich zu verbessern und Probleme zu lösen.

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